Indianische 9-Kräuter ESSENZ

Weihnachten 2025

Dr. Gabriele Feyerer

12/21/20253 min read

Statt eines Weihnachts-Newsletters…

Eine Weihnachtsgeschichte zum Nachdenken
Wir alle kennen die aktuelle Weltlage, die leider zum Teil wenig Hoffnung auf Weihnachtsfrieden aufkommen lässt. Es scheint, als hätten viele Menschen vergessen, dass sie ein Herz haben, sei es für Tiere, Menschen oder…Bäume und die Natur (wie die „Indianer“ es ganz selbstverständlich hatten).

Daher möchte ich Ihnen diesmal anstelle des Newsletters eine von mir schon vor rund 20 Jahren verfasste Weihnachtsgeschichte – eigentlich eine „Nach-Weihnachtsgeschichte“, präsentieren, die zum Nachdenken darüber anregen soll, wie leicht uns die Dankbarkeit darüber abhandenkommt, dass es uns (noch) so gut geht…und wie wenig wir uns klarmachen, dass es morgen schon anders sein könnte.

Ich wünsche Ihnen / euch trotz allem friedvolle und gesegnete Weihnachten!
Hoffen wir in jeder Hinsicht auf ein besseres Jahr 2026 – und dass gesunder Menschenverstand wieder in manche Gehirne einziehen möge.

Bleiben und werden Sie gesund!
Ihre Gabriele Feyerer
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Baumsterben
„Morgen werden sie mich holen“, rekapitulierte er voll Entsetzen.

Während im Esszimmer der Morgenkaffee seinen verführerischen Duft verströmte und die Schwingen des kleinen Glitzerengels auf Zweig Nummer sechsundzwanzig verstohlen aufblitzten, als der erste Sonnenstrahl sich an ihnen brach, da hatte er sie sagen hören:

„Morgen kommen sie ihn holen.“

Er kannte akribisch genau die Anzahl seiner Zweige. Sie zu verraten, hätte er indes unter seiner Würde gefunden. Aber er wusste sehr wohl, welches seiner nadelbewährten Glieder den schneeverzierten Tannenzapfen trug, die kleine Silberglocke und erst recht den wunderschönen goldenen Folienstern. Ein ähnliches Gestirn mochte wohl einst, einem strahlenden Boten gleich, über Bethlehem aufgegangen sein

„Morgen werden sie ihn holen.“

Die Worte klangen unheimlich in seinen nichtexistenten Ohren. Sie erfüllten sein hölzernes Inneres mit Schaudern und ließen kleine Tropfen von Harz wie Schweißperlen aus seinen langsam verdorrenden Adern treten. Seit gestern plagte ihn quälender Durst. Sie hatten es nicht der Mühe wert gefunden, noch Wasser nachzufüllen. Traurig ließ er einige Nadeln fallen, um sich Erleichterung zu verschaffen. War es denn bereits morgen? Sollte es so bald schon geschehen?

Unter größten Anstrengungen versuchte er, sich noch einmal die strahlenden Kindergesichter ins Gedächtnis zu rufen. Vergeblich bemühte er sich, das Glänzen ihrer Augen zurückzuholen, die den Kerzenschein so glasklar widerspiegeln konnten.

Er fühlte seinen Traum jäh unterbrochen, als klobige Hände nach ihm griffen, an seinen Zweigen zerrten und ihn nach und nach all seiner glänzenden Pracht beraubten. Schließlich trug man ihn hinaus und er wurde am Ende der langen Hauseinfahrt unsanft abgestellt. Der Mensch mit den großen Händen machte kehrt und verschwand durch das Garagentor. Mit ihm die lachenden Kindergesichter.

Sie gingen ohne Dank.

Traurig musterte er seine verbliebenen Nadeln, die wie dürre gespreizte Finger in den absonderlichsten Verrenkungen vom Gerippe der Zweige abstanden. Am Straßenrand, im Schmutz des Weges, lag der goldene Folienstern. Sie hatten ihn einfach vergessen. Wie so vieles.

Solcherart geschahen also die Dinge. Das Schicksal erfüllte sich. So endeten irdischer Glanz und geborgte Würden.

Der ausgediente Weihnachtsbaum seufzte bekümmert und presste eine letzte heiße Träne aus seinem kahlen Stamm. Ob es die plötzliche Einsamkeit war, oder dieses Gefühl des Weggeworfenseins, das sein Herz schließlich zum Stillstand brachte... wir wissen es nicht.

Das letzte schwache Pochen wurde übertönt vom Motorengeräusch eines herannahenden Ungetüms auf Rädern mit der seitlichen Aufschrift „Saubermacher“. Die Rohheit der Hände, welche ihn nun packten, nahm er nicht mehr wahr.

„Sie verstehen es nicht anders“, sagte der Engel des Waldes zum Engel der keimenden Hoffnung.

„Hoffen wir auf Besserung“, antwortete dieser und rückte mit Nachdruck seine Flügel zurecht.

Ob Bäume eine Seele haben?

Ich glaube es ganz fest.

Bei den Menschen bin ich mir hingegen nicht immer sicher.

© Gabriele Feyerer

(keine Nutzung des Textes ohne Genehmigung)
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